Wellen

Wellen

Willkommen in der sanften Achterbahn des Lebens – einem Bild, das auf den ersten Blick aussieht wie ein Mix aus Kinderbuch, Tischlerei-Unfall und Zen-Gedicht. Vier geschwungene Holzstücke gleiten wie träumende Baumrindenwellen über ein flaches, digitales Meer. Zwei gelbe Fische schwimmen darin, fast verdächtig unbeeindruckt von der surrealen Szenerie. Der Titel: Wellen. Und nein – nicht die Instagram-Wellenfrisur, sondern die große, ewige Bewegung des Seins: rauf, runter, rauf, runter… und wieder einatmen.

Dieses Werk ist kein klassisches Bild, es ist eine kleine, philosophische Zumutung mit Holz.

Die Analyse beginnt dort, wo der Rahmen aufhört

Zunächst fällt auf: Es fehlt der Rahmen. Zumindest der klassische. Stattdessen liegt das Holz direkt auf dem Bild – nicht drumherum, sondern mitten drauf. Der erste Impuls: „Das ist doch falsch!“ Doch genau das ist das Reframing. Es geht nicht darum, was richtig oder logisch ist – sondern was wirkt.

Der Autor spielt hier nicht nur mit Materialien, sondern mit der Idee von Ordnung selbst. Ein Rahmen soll etwas einfangen, begrenzen, ihm Halt geben. Doch das Leben lässt sich nicht rahmen. Es hat Brüche, Kurven, Splitter. Also wird das Holz nicht gezähmt, sondern darf wild und roh bleiben – wie ein Gedanke, der sich weigert, in eine Excel-Tabelle zu passen.

Holz trifft Digital: Natur küsst Konzept

Die Struktur der Holzteile wirkt wie aus einem alten Baum gezogen, der viel gesehen hat: Jahreszeiten, Stürme, vielleicht auch mal einen ambitionierten Specht. Das darunterliegende Bild hingegen ist digital glatt, blau, mit Wellen in Photoshop-Ästhetik – ein klarer Gegensatz. Zwischen dem echten Gewachsenen und dem glatten Symbolischen spannt sich ein Spannungsfeld auf, das auch die Essenz des Reframings trifft: Zwei Wirklichkeiten, eine Entscheidung. Welche erzählst du dir?

Wellen als Lebensbewegung

Die geschwungenen Linien rufen das auf, was in jedem Atemzug liegt: die Bewegung des Lebens. Sie stehen für Hochs und Tiefs, für Ein- und Ausatmen, für Aufbruch und Rückzug. Eine existenzielle Rhythmik, die der Mensch oft vergisst, wenn er sich im linearen Fortschritt verirrt. Wellen erinnert uns daran, dass Stillstand Illusion ist – selbst im Rückzug liegt Bewegung.

Und dann – fast schon frech – die beiden kleinen Fische. Die könnten aus einem Kinderbuch entwischt sein, wirken beinahe cartoonhaft naiv, als wollten sie sagen: „Wir sind’s nur, macht euch nicht zu viele Gedanken!“ Ein Schmunzeln drängt sich auf. Der Mensch versucht, das Leben zu kontrollieren, zu analysieren – und der Fisch schwimmt einfach weiter.

Die kreative Entscheidung – unlogisch, aber weise

Der Entstehungsprozess dieses Bildes ist selbst Teil der Aussage. Ursprünglich sollten die Holzrahmen gelb gestrichen und klassisch platziert werden. Aber dann… kam die kreativere Lösung. Nicht die logischere. Und das ist bedeutsam: Wellen zeigt uns, dass die beste Entscheidung nicht immer rational, beliebt oder "richtig" ist. Sie ist diejenige, die wirkt – im besten Sinne des Wortes.

Das hat etwas zutiefst Kindliches. Nicht naiv, sondern frei. Kinder stellen keine Warum-Fragen, wenn sie Dinge erschaffen. Sie tun es einfach – und sind damit manchmal klüger als alle Erwachsenen zusammen.

Fazit

Wellen ist ein augenzwinkerndes Manifest gegen das starre Denken. Ein Werk, das zeigt, wie man mit einem Stück Holz, etwas Farbe und zwei gelben Fischen das ganze Leben erklären kann. Es lädt ein, Rahmen neu zu denken, nicht um etwas zu begrenzen, sondern um neue Sichtweisen zu eröffnen.

Denn am Ende sind es nicht Logik oder Perfektion, die uns durchs Leben tragen – sondern Bewegung, Brüche und der Mut, das Unpassende zu umarmen.

Oder, um es mit den Fischen zu sagen:
„Hauptsache, du schwimmst.“ 🐟

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