Trauma

Trauma

In “Trauma” begegnet uns ein stiller Protagonist: Ein Murmeltier, dessen Augen Neugier und Verwunderung zugleich ausstrahlen. Es sitzt am Ende eines staubigen Pfades, der abrupt von einem dunklen Rahmen durchtrennt wird. In diesem Moment wirkt das Tier nicht nur verloren, es trägt in seinem Blick die leise Frage nach dem Weiterkommen – als habe es an dieser Schwelle das Gefühl, die Welt, so wie sie war, nicht mehr betreten zu können.

Der kräftige Schwarzrand, der den Weg abschneidet, erscheint fast wie eine unsichtbare Mauer im Alltag: Er schützt und gleichzeitig trennt. Hinter diesem Hindernis öffnet sich die Szenerie wieder – sanftes Grün, eine leuchtende Sonne am Horizont, die den Betrachter einlädt, einen Ort zu erahnen, an dem alles seinen Lauf genommen hat. Hier wirkt die Landschaft unversehrt, als sei sie in einem anderen, unberührten Raum weitergegangen.

In der Gegenüberstellung von beidem liegt der subtile Reiz dieses Bildes: Das Murmeltier, verwurzelt im Gegenwartsmoment, blickt unaufdringlich auf jenes versöhnliche Licht, das gleichzeitig fern und vertraut ist. Man spürt, dass es einst zu diesem Licht gehörte – nun aber, nachdem etwas Zerbrechliches geschehen ist, gezwungen ist, es nur noch aus der Ferne zu betrachten.

So wird aus einer scheinbar einfachen Tierdarstellung eine berührende Allegorie: Die Erinnerung an einen Ort der Sicherheit und Geborgenheit existiert weiter, doch der Zugang bleibt verschlossen. Es ist ein Bild, das nicht laut ruft, sondern in seinem ruhigen Dilemma nachhallt – und uns einlädt, über die feinen Grenzen zwischen Schutz und Abschottung, zwischen Bewahren und Weitergehen nachzusinnen.

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