„Sorry, Kuchen gibt es nur für Familienmitglieder“

Ein Chamäleon – das Meister der Anpassung, der große Unsichtbare – sitzt ratlos vor dem gedeckten Tisch. Oder besser gesagt: vor dem, was vom Tisch übrig blieb. Ein Kuchen wurde serviert, der ganz offensichtlich köstlich war, doch die Tortenstücke sind längst verteilt, die Teller leer, die Fettflecken zeugen noch vom Schlemmen. Der Rahmen? Ein sarkastischer Wink: präzise geschnittene Kuchenstücke aus Glas, um uns vorzuführen, was wir längst ahnen – hier geht es um Exklusivität, um eine Runde, die abgeschlossen ist. Ein Kreis, in dem nur „Familie“ Platz findet. Wer dazugehören darf, bestimmt nicht das Chamäleon.
Denn das Chamäleon, trotz aller Anpassungskunst, steht draußen. „Unsichtbar sein reicht nicht“, flüstert das Bild mit leiser Stimme. Anpassung bedeutet noch lange keine Zugehörigkeit. Es kann seine Farbe wechseln, sich tarnen, seine Persönlichkeit bis zur völligen Unkenntlichkeit optimieren, doch die Torte bleibt tabu. Der Satz „Sorry, Kuchen gibt es nur für Familienmitglieder“ schallt als Nachhall längst vergangener Entscheidungsrunden – ein Echo, das wie Fettflecken nie wirklich verschwindet. Die Servietten liegen bereit, die Tortenunterlagen sind da – der Boden für Teilhabe war gedeckt. Doch wo kein Kuchenstück, da kein Platz am Tisch.
Ist es Gerechtigkeit? Oder einfach nur „Glück“, das entschieden hat, wer dazugehört? Ein Chamäleon lebt im ständigen Balanceakt, seine Umgebung zu spiegeln, doch hier zeigt sich: Zugehörigkeit ist kein Talent. Sie ist Einladung. Sie ist Exklusivität. Sie ist manchmal auch willkürlich. Was bleibt dem Chamäleon? Ein kritischer Blick auf den Rahmen. Denn der Rahmen ist der Witz und die Warnung zugleich: selbst die Torte, die hier angedeutet wird, ist ein Trugbild. Glas! Kein Kuchen, keine Krümel. Der Rahmen zeigt uns die Illusion von Verteilung, während die Fettflecken die Realität darstellen – der Kuchen ist längst gegessen. Und die „Familie“? Sie ist bereits nach Hause gegangen.
Vielleicht ist das Chamäleon nicht das Versäumnis in dieser Geschichte, sondern der stille Beobachter. Einer, der sich denkt: Wer will schon dazugehören, wenn die Torte doch nur aus Glas ist?