Sind wir nicht alle ein bisschen Kafka

Sind wir nicht alle ein bisschen Kafka

Die Arbeit greift ein Zitat von Franz Kafka auf, in dem er beschreibt, wie Bücher sein sollten – wie eine Axt, die das gefrorene Meer in uns aufbricht. Der junge Gorilla, der sich auf die Brust klopft, verkörpert genau diese Axt: eine rohe, ungefilterte Aggression, geboren aus einem tiefen inneren Leidensdruck. Er steht am Rande eines gefrorenen Meeres, einer erstarrten Lebenslandschaft, die symbolisch für einen Zustand des Stillstands und der Isolation steht. Sein Klopfen ist ein Akt des Widerstands – ein verzweifelter Versuch, das erstarrte Leben zu durchdringen und wieder in Kontakt mit dem zu kommen, was lebendig ist.

Doch warum ist das Meer überhaupt eingefroren? Warum hat sich das Leben zurückgezogen, verhärtet, unzugänglich gemacht? Diese Kälte kann als Schutzmechanismus verstanden werden, eine Strategie, um mit einer feindlichen oder überwältigenden Umgebung zu überleben. Sie erinnert an die psychologischen Muster und Abwehrmechanismen, die wir uns aneignen, um Schmerz zu vermeiden. Diese Strategien – seien es emotionale Mauern, Süchte, das Vermeiden von Nähe oder die Last nicht losgelassener Verantwortung – schützen uns zwar kurzfristig, isolieren uns jedoch langfristig von uns selbst und der Welt. Die Kälte wird zur Barriere, hinter der unser wahres Wesen eingefroren bleibt.

Das Bild zeigt einen Moment der Spannung und Veränderung. Das Klopfen des Gorillas hat bereits Spuren hinterlassen: Das Eis zeigt Risse, ebenso wie der Rahmen, der das Bild umgibt. Diese Risse deuten an, dass etwas in Bewegung gerät, dass die Starrheit der Kälte nicht unendlich bestehen kann. Doch die zentrale Frage bleibt: Was geschieht, wenn das Eis tatsächlich bricht? Bedeutet das einen Durchbruch – eine Rückkehr zur Lebendigkeit? Oder birgt das Brechen des Eises die Gefahr, dass der Gorilla selbst in die Tiefe stürzt, überwältigt von dem, was er freilegt?

Die Lösung liegt nicht in der Gewalt allein. Sein Blick verrät eine mögliche Richtung, ebenso wie die Bäume, deren Spitzen das Sonnenlicht berühren. Die Sonne – das Bewusstsein – ist der Schlüssel. Sie symbolisiert die Fähigkeit, die eigene Erstarrung wahrzunehmen, sie zu reflektieren und sich ihr zuzuwenden. Nicht rohe Kraft, sondern Bewusstheit und korrigierende Erfahrungen haben das Potenzial, das Eis auf eine Weise zu schmelzen, die nicht zerstört, sondern heilt.

Das gefrorene Meer, der Gorilla und das Licht am Horizont laden dazu ein, die eigene innere Kälte zu hinterfragen. Welche Teile in uns sind eingefroren? Wo haben wir uns vor der Welt oder vor uns selbst verschlossen? Und welche Erfahrungen, welche Wärme, könnten uns helfen, diese Barrieren auf behutsame Weise zu überwinden?

Vielleicht, so zeigt die Arbeit, sind wir der Gorilla, das Eis und die Sonne zugleich – und die Lösung liegt nicht in einem einzelnen Element, sondern in der Beziehung, die sie zueinander aufbauen. Der Weg führt über das Anerkennen unserer Kälte und das Vertrauen darauf, dass etwas Größeres in uns existiert, das wartet, um entdeckt und gelebt zu werden.

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