Inflation

Inflation

Das Werk zeigt drei gerahmte Bildausschnitte eines Meeres, die sich auf den ersten Blick kaum unterscheiden. Doch der Titel „Inflation“ wirft eine tiefere, kritische Perspektive auf das menschliche Leben: ein anhaltender Prozess, der unmerklich beginnt, sich beschleunigt und irgendwann überwältigend wird. Wie ein Computerspiel, dessen Level immer komplexer, schneller und fordernder wird, spiegelt das Bild die Dynamik unseres Lebens wider. Es lädt zur Reflexion darüber ein, wie wir uns in der wachsenden „Flut“ von Anforderungen, Sorgen und Verantwortungen bewegen.

Wachsender Druck und segmentierte Wahrnehmung Die drei gerahmten Bildausschnitte des Meeres repräsentieren unterschiedliche Stadien der „Inflation“:

Der erste Rahmen (links) zeigt das Meer in Ruhe – der Start, die Kindheit oder frühe Jahre, in denen die Welt noch leicht zu bewältigen erscheint. Die Wellen rollen sanft an den Strand, und die Fläche wirkt klar und geordnet.

Der mittlere Rahmen deutet eine Steigerung an: Die Wellen scheinen näher und präsenter, die Struktur wird dichter. Hier spiegelt sich die Jugend oder frühe Erwachsenenzeit wider – die Komplexität nimmt zu, die „Level“ des Lebens erfordern mehr Aufmerksamkeit.

Der dritte Rahmen (rechts) zeigt die volle Dynamik des Meeres: das Aufwühlen des Sandes, die dichte Struktur der Wellen und die subtil angedeutete Bewegung. Hier stehen wir im mittleren oder späten Erwachsenenalter – die Verantwortung, Probleme und Sorgen verdichten sich zu einer Welle, die uns zu überrollen droht.

Die Rahmen, die das Gesamtbild in Fragmente unterteilen, symbolisieren unsere Wahrnehmung: Wir sehen stets nur einzelne Ausschnitte unseres Lebens, die wir oft als „immer schwieriger“ empfinden. Die Rahmen engen das Unendliche des Ozeans – der Möglichkeiten und des Seins – ein, und wir bleiben gefangen im Gedanken: „Es wird immer mehr.“

Die steigende Komplexität des Lebens

Der Titel „Inflation“ spielt mit einem ökonomischen Begriff und überträgt ihn auf die menschliche Existenz. Philosophisch betrachtet, reflektiert er die unaufhaltsame Beschleunigung der Zeit und die Zunahme von Komplexität, die wir im Leben erfahren. So wie eine Währung an Wert verliert, wenn zu viel davon im Umlauf ist, so scheint auch die Zeit mit jedem Lebensjahr an Wert zu verlieren.

Wir leben in einer Welt, in der die „Level“ des Lebens – wie in einem Computerspiel – exponentiell schwieriger werden. Wir müssen immer mehr leisten, immer mehr Verantwortung tragen, während die Zeit immer knapper wird. Das Meer, hier als Metapher für das Leben, zeigt uns das Dilemma: Die Welle rollt weiter – wir können sie nicht aufhalten.

Ist das Wachstum und die Beschleunigung unausweichlich?

Was passiert, wenn wir aufhören, gegen die Wellen zu kämpfen, und uns stattdessen in den Fluss des Lebens begeben?

Überforderung und Reframing

Psychologisch betrachtet verweist das Bild auf den steigenden mentalen Druck, der durch die „Inflation“ des Lebens entsteht. Verantwortung, finanzielle Belastungen, Erwartungen und Sorgen nehmen zu und können uns in einen Zustand chronischer Überforderung versetzen. Der Mensch fühlt sich wie in einem Spiel, dessen Regeln sich verschärfen und dessen Geschwindigkeit er kaum noch kontrollieren kann.

Doch hier greift das Konzept des Reframings ein, das der Arbeit zugrunde liegt:

Wir können lernen, die Level anders zu sehen.

„Ist es wirklich mehr, oder nehme ich es nur so wahr?“

„Kann ich bestimmte Probleme umdeuten und mir Erleichterung verschaffen?“

„Was passiert, wenn ich meine Perspektive ändere und nicht mehr gegen die Wellen kämpfe, sondern mit ihnen schwimme?“

Die Wahl der Rahmen – und damit der Wahrnehmung – spielt hier eine zentrale Rolle. Wir haben die Freiheit, die steigende Komplexität des Lebens neu zu interpretieren und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Die Illusion der Kontrolle

Ein weiteres zentrales Thema des Bildes ist die Illusion von Kontrolle: In einem Computerspiel glaubt der Spieler, durch Geschick und Strategie den nächsten Level bewältigen zu können. Doch das Meer, unkontrollierbar und unendlich, erinnert uns daran, dass nicht alles in unserer Hand liegt. Die steigende „Inflation“ der Anforderungen ist teilweise hausgemacht, teilweise jedoch ein unausweichliches Naturgesetz des Lebens.

Vielleicht ist es gerade die Akzeptanz des Unkontrollierbaren, die uns Ruhe schenkt.

Vielleicht finden wir Entlastung darin, die Wellen nicht als Feind, sondern als Teil des Seins zu begreifen.

Die „Inflation des Lebens“ ist unausweichlich – doch die Art, wie wir uns in ihr bewegen, liegt bei uns.

Die Einheit im Fragment

Ein wichtiger Punkt, der nicht übersehen werden sollte, ist die verborgene Einheit des Werks. Obwohl die drei Bilder getrennt erscheinen, gehören sie zusammen und stammen aus demselben Moment des Meeres. Diese Verbundenheit symbolisiert das, was oft im Leben übersehen wird: Unter der Oberfläche der geteilten Perspektiven bleibt die Erfahrung universell und verbunden.

Dies könnte als Parallele zur menschlichen Existenz verstanden werden: Trotz der Unterschiede in Blickwinkeln, Meinungen oder Lebenswegen sind wir Teil derselben Wirklichkeit.

Schlussgedanke:
Das Werk erinnert uns daran, dass die Wellen nicht stillstehen – die Level des Lebens werden weitergehen. Doch wie wir das Spiel spielen, wie wir den Ozean betrachten und wie wir unsere Rahmen setzen, ist unsere Entscheidung.

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