ich will so werden, wie ich bin

ich will so werden, wie ich bin

Das Werk zeigt auf den ersten Blick ein scheinbar schlichtes, gerahmtes Muster, doch bei genauerer Betrachtung eröffnet es tiefgründige Reflexionen über Identität, Wahrnehmung und die Suche nach dem eigenen Wesen. Das Bild spricht auf analytischer, philosophischer und psychologischer Ebene verschiedene Themen an:

Die Verschleierung der Identität

Im Zentrum des Bildes steckt ein Element, das eigentlich erkennbar sein könnte: ein Entenküken. Doch dieses wurde verkehrt herum angebracht, sodass es sich dem Betrachter entzieht. Es wird zu einem verborgenen Detail, einer unsichtbaren Wahrheit. Dies symbolisiert die Verschleierung der Identität – ein Zustand, den viele Menschen erleben, wenn sie sich fremd fühlen oder ihre eigene Essenz nicht erkennen können. Das Küken, ein universelles Symbol für Wachstum, Verletzlichkeit und den Anfang des Lebens, wird hier entkräftet. Es scheint in seiner Existenz umgekehrt, festgehalten in einem Rahmen, der es seiner Natürlichkeit beraubt.

Das Muster: Stabilität und Veränderung

Das Bildfeld ist gefüllt mit einem geometrischen, repetitiven Muster, das Sicherheit und Ordnung vermittelt. Doch dieses Muster wandelt sich bei minimaler Kopfneigung: Es zeigt sich ein anderes Bild. Psychologisch gesehen steht dies für die Macht der Perspektive. Unsere Wahrnehmung von uns selbst und der Welt ist nicht starr – sie verändert sich mit dem Blickwinkel. Die Aufforderung „Ich will so werden, wie ich bin“ erinnert uns daran, dass Identität ein Prozess ist. Wir formen unser Selbst immer wieder neu, abhängig davon, wie wir uns betrachten.

Gleichzeitig fordert dieses schlichte Muster zum Nachdenken auf: Wie oft halten wir uns an stabilen, vorgegebenen Strukturen fest, um Kontrolle zu behalten? Wann wagen wir es, die Perspektive zu ändern und das Verborgene zu sehen?

Der Rahmen und seine kindlichen Spuren

Der Rahmen fällt durch seine ungewöhnlichen Proportionen auf. Er ist weder perfekt noch neutral. Seine rechteckige, leicht geneigte Form erzeugt ein subtiles Gefühl der Verschiebung. Ein Rahmen begrenzt das Bild, setzt Grenzen und definiert, was „innen“ und „außen“ ist. Im übertragenen Sinne steht dies für die Begrenzung, die wir uns selbst oder durch andere auferlegen. Wie oft werden unsere kindlichen, ursprünglichen Impulse durch gesellschaftliche oder persönliche „Rahmenbedingungen“ eingeschränkt?

Die gelben Farbpatzer, die unregelmäßig auf dem Rahmen aufgetupft wurden, tragen eine tiefere Symbolik. Sie sind Ausdruck von Kindlichkeit, von spontanem Eigensinn, aber auch von Unbeholfenheit. Es sind „Spuren“ – kleine Gesten des Lebens, die sich über die starren Strukturen hinwegsetzen. Psychologisch gesehen deuten sie auf den inneren Drang hin, Individualität sichtbar zu machen. Diese Spuren brechen die Perfektion des Rahmens, erinnern uns an unsere unvollkommene und doch einzigartige Menschlichkeit.

Das Paradox von Sein und Werden

Der Titel „Ich will so werden, wie ich bin“ enthält ein paradoxes Spannungsfeld: Kann man werden, was man bereits ist? Es weist auf die tiefe psychologische Wahrheit hin, dass wir uns selbst oft nicht erlauben, unser wahres Wesen zu leben. Stattdessen streben wir nach Idealbildern oder verstecken uns hinter Mustern, die uns nicht entsprechen. Das Entenküken, kopfüber und verschleiert, verdeutlicht dieses Ringen zwischen Essenz und Selbstbild. Es ist da, doch nicht sichtbar. Die Frage lautet: Was braucht es, damit wir uns „umdrehen“ und uns selbst erkennen?

Einladung zur Reflexion

Dieses Werk fordert den Betrachter auf, über seine eigene Identität nachzudenken:

  • Wo verstecken wir uns hinter Mustern oder vorgegebenen Strukturen?
  • Wie oft haben wir das Gefühl, auf den Kopf gestellt zu sein, nicht richtig gesehen oder erkannt zu werden?
  • Wo zeigen wir kindlichen Mut, Spuren zu hinterlassen – und wo halten uns „Rahmen“ zurück?

Der scheinbar schlichte Rahmen und das geometrische Muster entpuppen sich als Spiegel der eigenen Psyche. Die Suche nach dem eigenen „Ich“ ist kein linearer Prozess. Sie erfordert Mut, sich den Blickwinkel zu erlauben, zu verändern und den eigenen, vielleicht unbeholfenen Spuren zu vertrauen.

„Ich will so werden, wie ich bin“ – dieses Werk erinnert uns daran, dass Identität ein Prozess des Erkennens, Loslassens und Neubetrachtens ist. Das Entenküken in seiner Umkehrung wird zum Sinnbild für unsere Sehnsucht nach Authentizität – und die gleichzeitige Schwierigkeit, sie zu leben.

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