could you be loved
Ein kleines Schweinchen sitzt da, aufrecht, zartrosa, beinahe aristokratisch in seiner Haltung. Der Blick leicht zur Seite geneigt – nicht trotzig, nicht scheu, eher... nachdenklich. Als hätte es gerade eine existenzielle Erkenntnis gehabt oder stünde kurz davor. Es ruht inmitten einer spiegelnden Fläche, in der der Betrachter sich selbst entdeckt – eingeladen, hineinzublicken, nicht nur ins Bild, sondern in die eigene Seele. Willkommen im Dilemma der Bedingungslosigkeit.
Der Spiegel ist kein Zufall. Hier wird nicht nur ein Bild betrachtet, sondern man selbst – in einem Moment des möglichen Erkennens oder leichten Unbehagens. Wer bin ich, wenn ich nichts tue? Wer bin ich, wenn ich nichts erreiche? Darf ich dann noch liebenswert sein? Das Schwein stellt keine Fragen, aber es stellt dich in Frage. Auf stille, beinahe höfliche Weise.
Der Rahmen – dezent, fast unauffällig – offenbart bei genauerem Hinsehen einen Bruch in der Perfektion: eine Seite ist verkehrt herum montiert. Ein Fehler? Ein Makel? Oder ein Wink? Vielleicht genau der Hinweis darauf, dass man nicht alles so geradlinig sehen sollte, wie man es sich angewöhnt hat. Liebe, die sich an Bedingungen knüpft, ist keine. Und doch wachsen so viele mit der Überzeugung auf, erst durch Leistung liebenswert zu werden. Schönsein. Klügerwerden. Funktionieren. Schwein sein? Undenkbar.
Aber hier sitzt es nun. Und wirkt dabei ernster als so mancher CEO. Vielleicht ist es der ironische Glanz in dieser Szene – das Tier, das oft verspottet oder verniedlicht wird, als stille Ikone der Frage, die sich viele nie laut zu stellen wagen: Wenn ich einfach nur bin – bin ich dann genug?
Psychologisch betrachtet liegt hier eine tiefe Tragik: Menschen, die selbst nie bedingungslos geliebt wurden, neigen dazu, Liebe an Bedingungen zu knüpfen. Ein Teufelskreis, in dem Wert immer wieder neu „verdient“ werden muss. Doch das Schwein widerspricht. Es sitzt da, einfach so. Nicht perfekt. Nicht produktiv. Und trotzdem – oder gerade deshalb – ein Bild von Würde.
Vielleicht ist das eigentliche Reframing hier nicht das Schwein im Spiegel, sondern die Erkenntnis: Die Frage ist nicht, ob du geliebt werden kannst, sondern ob du es zulässt – ohne Maskerade, ohne Beweisführung. Und ob du anderen das auch gestattest.