Zurück zur Lebendigkeit
Die Arbeit „Zurück zur Lebendigkeit“ entfaltet sich als vielschichtige Meditation über innere Bewegung, psychische Erstarrung und die Möglichkeit von Integration. Formal wie inhaltlich operiert das Bild mit einem bewussten Spannungsverhältnis zwischen Außen und Innen, Kontrolle und Hingabe, Schutz und Lebendigkeit.
Zentral ist der Rahmen selbst: Er ist nicht bloß Träger oder Begrenzung des Bildes, sondern aktiver Bedeutungsträger. Die unterschiedlichen, ineinander verschachtelten Rahmenformen verweisen auf den menschlichen Versuch, durch äußere Strukturen, Anpassungen und Kontrolle Veränderung herbeizuführen. Die Wahl der grauen Farbigkeit verstärkt diesen Eindruck einer emotionalen Neutralisierung, ja einer Verbitterung. Grau erscheint hier als Farbe der Resignation, des Stillstands und der Abwehr, ein Zustand, in dem das Leben gedämpft, reduziert und seiner Intensität beraubt wird. Psychologisch gelesen symbolisiert der graue Rahmen die Schutzmechanismen des Ichs: Strategien, die einst Sicherheit boten, sich aber mit der Zeit in ein Gefängnis verwandeln.
Im Kontrast dazu explodiert aus dem Inneren des Bildes ein fächerförmiger Ausbruch von Farbe. Dieser „Farborgasmus“ wirkt nicht dekorativ, sondern existenziell. Er entspringt nicht dem Außen, sondern aus einem inneren Punkt, einem Ursprung, der an das Selbst, das Unbewusste oder die verdrängte Lebenskraft erinnert. Philosophisch betrachtet verweist dieser Moment auf eine Umkehr der Blickrichtung: Nicht die Welt muss verändert werden, sondern die Beziehung zu sich selbst. Lebendigkeit ist kein äußerer Zustand, sondern ein innerer Prozess der Wiederaneignung.
Der kleine Elefant am unteren Bildrand ist dabei ein stiller, aber zentraler Akteur. In seiner grauen Erscheinung trägt er zunächst die gleiche Verbitterung und Schwere wie der Rahmen. Doch symbolisch ist der Elefant ein ambivalentes Wesen: Er steht für Erinnerung, Stärke, Beharrlichkeit und innere Autorität. Psychologisch gelesen verkörpert er jene verdrängten Persönlichkeitsanteile, die aus Schutz weggesperrt wurden, Emotionen, Bedürfnisse, Verletzlichkeit. Gleichzeitig ist er ein Hüter der inneren Sicherheit: Nicht als aggressive Kraft, sondern als ruhige, standhafte Präsenz, die den Mut aufbringt, sich dem Inneren zuzuwenden.
Der Weg „zurück zur Lebendigkeit“ ist in dieser Arbeit kein linearer Fortschritt, sondern ein Akt der Integration. Alles Verdrängte, Abgespaltene und Eingefrorene wird nicht bekämpft, sondern eingeladen. Der Elefant steht genau an der Schwelle zwischen Grau und Farbe, an jenem Übergang, an dem Entscheidung möglich wird: weiterhin im Schutz der Erstarrung zu verharren oder den Mut aufzubringen, sich der eigenen inneren Intensität zu stellen.
In der Serie „Reframing“ wird dieser Gedanke konsequent weitergeführt: Das Umrahmen ist kein Versuch, das Leben zu kontrollieren, sondern ein Hinweis auf die Begrenztheit äußerer Lösungen. Die eigentliche Transformation geschieht dort, wo der Blick nach innen fällt und wo das Ich bereit ist, seine eigenen Schutzmechanismen zu hinterfragen. „Zurück zur Lebendigkeit“ ist damit weniger eine Antwort als eine Einladung zur Selbstbegegnung, zur Annahme innerer Widersprüche und zur Rückkehr in eine existenzielle Farbigkeit, die immer schon vorhanden war.

