Alles eine Frage der Farbe

Alles eine Frage der Farbe

Bildbeschreibung und Reflexion zu „Alles eine Frage der Farbe“

In einem Arrangement aus sieben strahlenden Farbfeldern – jede in einem anderen, lebendigen Farbton von Grün, Türkis, Rosa bis hin zu warmen Orange- und Rottönen – thront in der Mitte ein kunterbunter Tausendfüßler. Diese filigrane Gestalt mit (vermeintlich) unzähligen Beinchen wirkt zugleich verspielt und geheimnisvoll – als würde jedes Bein eine andere Farbe tragen und damit zugleich verschiedene Zustände symbolisieren. Die klare Umrahmung der Farbfelder legt den Fokus auf die bunte Palette: Ein starker visueller Hinweis darauf, wie vielfältig unser inneres Erleben und unsere Persönlichkeit sein können.

Der Tausendfüßler fungiert hier als Metapher für unsere inneren Möglichkeiten – ein Symbol dafür, dass wir alle unzählige Wege und Zustände in uns tragen, auch wenn wir im Alltag oftmals nur einen eingeschränkten Pfad beschreiten. So wie der Tausendfüßler mit jedem seiner Beine andere Farbtöne verkörpern könnte, so tragen auch wir in uns verschiedene emotionale und psychologische Zustände in einem steten Wechselspiel.

Eine besonders bedeutungsvolle Rolle spielt dabei die Farbe Weiß, die in diesem Kontext als Symbol für das wahre Wesen interpretiert wird. Weiß, das alle Farben in sich vereint, repräsentiert das universelle, unveränderliche Selbst, welches, in seiner Reinheit, sämtliche Zustände und Schattierungen in sich trägt. Während wir oft das Gefühl haben, dass wir unsere Zustände und Lebensweisen wählen und ändern können, liegt die wahre Kunst im Erkennen, dass wir nie etwas völlig Neues annehmen, sondern stets alle vorhandenen Farben bereits in uns tragen.

Oft sind wir – durch gesellschaftliche Prägung und erlernte Muster – nicht dazu angeleitet worden, diese volle innere Vielfalt zu reflektieren und frei auszuleben. Wir laufen in einem festgefahrenen Farbrahmen des Gewohnten, ohne uns bewusst zu machen, dass in uns das gesamte Spektrum an Möglichkeiten angelegt ist. Der weiße Hintergrund als Symbol unseres „wahren Wesens“ erinnert uns daran, dass wir nicht lediglich auf die uns auferlegten Farben beschränkt sind, sondern dass wir in uns alle Zustände in einer Einheit tragen. Das wahre Potenzial liegt darin, dieses Wissen zu erlangen und zu erkennen, dass wir die Illusion der Wahl oft selbst geschaffen haben – obwohl wir in Wahrheit immer schon alles in uns tragen, was wir zu sein glauben.

Mit einem Augenzwinkern und einer Prise Humor fordert das Werk dazu auf, den Blick zu schärfen: Sind wir bereit, die vorgegebenen, festgefügten Farben abzulegen und stattdessen unser wahres, vielseitiges Selbst zu erkennen? Es ist ein Appell, den oft unsichtbaren inneren Reichtum wieder zu entdecken, der jenseits der oberflächlichen Farbschichten liegt. Denn genau wie der weiße Raum alle Farben in sich birgt, so sind wir – in unserem wahren Wesen – die Summe all unserer inneren Zustände, die darauf warten, bewusst wahrgenommen und kreativ entfaltet zu werden.

In diesem Sinne ist „Alles eine Frage der Farbe“ nicht nur ein visuelles Fest, sondern auch ein tiefgründiger Impuls, sich selbst neu zu entdecken und zu erkennen, dass in uns das gesamte Spektrum des Seins bereits verwoben ist – man muss es nur lernen, wieder zu enthüllen.

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